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Zufriedenheit mit der Zürcher Wirtschaft, aber wenig Verständnis für deren Anliegen

Eine neue Studie des Amts für Wirtschaft und der Zürcher Handelskammer zeigt, dass die Zürcher Bevölkerung ein überwiegend positives Bild der kantonalen Wirtschaft hat. Gleichzeitig sind zentrale Anliegen der Wirtschaft bei den Zürcherinnen und Zürchern nicht mehrheitsfähig.

Der Kanton Zürich ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Drei Viertel der Zürcherinnen und Zürcher bewerten die Zürcher Wirtschaft insgesamt positiv – und damit noch leicht positiver als die Schweizer Wirtschaft. Sie erkennen dabei den Wert einer prosperierenden Wirtschaft für sich. 93 Prozent sehen die Zürcher Wirtschaft als zentralen Pfeiler der Gesellschaft, 83 Prozent attestieren ihr einen wichtigen Beitrag zur hohen Lebensqualität im Kanton. Besonders geschätzt werden die guten Arbeits- und Ausbildungsplätze, die Innovationskraft sowie das Engagement der Unternehmen für Kultur und Sport.
Das zeigt die Bevölkerungsbefragung «Die Zürcher Wirtschaft aus Sicht der Bevölkerung», die das Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag des Amts für Wirtschaft und der Zürcher Handelskammer zwischen Juli und September 2025 durchgeführt hat.
 

Positive Grundstimmung 

Einstellung zur…

Mehr als drei Viertel mit wirtschaftlicher Situation zufrieden

Die Zürcherinnen und Zürcher haben nicht nur ein positives Bild der Wirtschaft: 77 % sind mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation zufrieden, 60 Prozent sind der Ansicht, dass der von der Zürcher Wirtschaft geschaffene Wohlstand allen zugutekommt. Auch hier ist die Zufriedenheit noch etwas höher als in der Gesamtschweiz – das zeigt ein kantonaler Vergleich des aktuellen UBS Sorgenbarometers.

Kehrseite des Erfolgs beschäftigt Bevölkerung

Eine generelle Wirtschaftsskepsis ist also nicht auszumachen. Gleichzeitig macht die Studie sichtbar, dass der wirtschaftliche Erfolg auch Wachstumsschmerzen verursacht. Am stärksten zu spüren sind diese beim Wohnen und bei den Kosten: Eine Mehrheit nimmt den angespannten Wohnungsmarkt, die steigenden Lebenshaltungskosten und die zunehmende Bevölkerungsdichte als negative Begleiterscheinungen der starken Wirtschaftsleistung wahr – ein Phänomen, mit dem sich viele erfolgreiche Wirtschaftszentren konfrontiert sehen.

Die internationale Ausstrahlung des Wirtschaftsstandorts Zürich wird derweil von vielen Befragten als Bereicherung empfunden: Eine deutliche Mehrheit freut sich darüber, mit Menschen aus aller Welt zu leben und zu arbeiten. Es wird auch breit anerkannt, dass die Zürcher Wirtschaft auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist. Gleichzeitig äussern aber auch viele Unbehagen – etwa aufgrund eines wachsenden Fremdheitsgefühls. Diese Ambivalenz zieht sich durch breite Teile der Bevölkerung.

Anliegen der Wirtschaft ohne Mehrheit im Volk

Die Befragung zeigt auch, dass die Identifikation der Zürcherinnen und Zürcher mit der Wirtschaft relativ gering ist. «Nur» 59 % der Befragten fühlen sich als Teil der Wirtschaft. 
Ebenso haben Unternehmen trotz ihrer Bedeutung für den Arbeitsmarkt und unseren Wohlstand politisch einen schweren Stand. Deren zentrale Anliegen wie tiefere Steuern und weniger Regulierung sind derzeit nicht mehrheitsfähig. Mit 39 % respektive 46 % sind weniger als die Hälfte der Befragten der Meinung, die Unternehmen würden zu stark besteuert oder übermässig reguliert, obschon die Zürcher Unternehmenssteuern weiterhin schweizweit die höchsten sind. Dabei anerkennen 87 % der Befragten die Notwendigkeit für Unternehmen, im internationalen Wettbewerb bestehen zu müssen.

In den Augen der Bevölkerung stehen andere Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort klar weiter oben: allen voran der Wohnungsmarkt, gefolgt von der internationalen Handelspolitik, dem Fachkräftemangel und der besseren Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials.


Verhaltener Rückhalt für Wirtschaftsanliegen

Zürcher Unternehmen …

Die Skepsis gegenüber grossen Unternehmen ist dabei besonders augenfällig. Ganze 44 % der Befragten sind etwa der Meinung, dass die Zürcher Wirtschaft auch ohne grosse internationale Unternehmen erfolgreich wäre.
 

Grossunternehmen geniessen wenig Anerkennung

 

Zwei Erklärungsansätze

Die durch die Befragung gewonnenen Erkenntnisse zeigen, wie die Zürcherinnen und Zürcher die hiesige Wirtschaft wahrnehmen. Was sie nicht zeigen, ist weshalb.
Einzelne Antworten legen den Schluss nahe, dass ein besseres Verständnis der Zürcher Wirtschaft sowie wirtschaftspolitischer Zusammenhänge womöglich zu einem anderen Resultat geführt hätte. Die Befragten sind beispielsweise grossmehrheitlich zufrieden mit der Situation, sehen prinzipiell auch die Notwendigkeit attraktiver Rahmenbedingungen für Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb bestehen müssen. Dennoch unterstützen derzeit viele eine Verbesserung dieser Rahmenbedingungen nicht.

Die Befragung zeigt jedoch auch: Der Blick auf die Wirtschaft ist stark von vorhandenen individuellen Werthaltungen geprägt. So dürften wachstums- und globalisierungskritische Stimmen zu lesen sein. Die Zürcherinnen und Zürcher sehen bei der gerechten Verteilung des erwirtschafteten Wohlstands beispielsweise noch Handlungsbedarf.

Auffallend ist hier auch, dass KMU für den wirtschaftlichen Erfolg des Kantons als wichtiger gesehen werden als internationale Grossunternehmen. Dabei steuern gemäss aktuellen Zahlen des Zürcher Statistischen Amts 2,6 % der Unternehmen über 80 % zu den Gewinnsteuern bei. Im Kanton Zug – das hat eine ähnliche Umfrage gezeigt – geniessen Grossunternehmen mehr Rückhalt.

Unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit

Für den Standort Zürich ist das mehr als ein Stimmungsbild. Denn die Herausforderungen werden nicht kleiner: Stichworte sind demografischer Wandel und Arbeitskräftemangel, geopolitische Unsicherheiten und Zölle, das Verhältnis zur EU sowie die OECD-Mindestbesteuerung.

Zürich ist heute attraktiv – für Unternehmen und Talente. Doch unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade in unsicheren Zeiten brauchen wir eine starke und wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Unternehmen und die Verbände sind hier gefordert. Sie müssen der Bevölkerung wieder besser vermitteln, weshalb alle von attraktiven Rahmenbedingungen profitieren.

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