(CONNECT) Der deutsche Investor Frank Thelen zeigte auf der Innovationskonferenz Open-i in Zürich auf, welche Rahmenbedingungen seiner Meinung nach für künftiges Wirtschaftswachstum notwendig sind. Als einer der Hauptredner kritisierte er, dass diese momentan insbesondere in der Europäischen Union nicht gegeben seien. „Europa reguliert sich zu Tode, ist heute schon abgeschlagen und hat keinen Plan für die nächsten Jahre“, sagte er. Frank Thelen ist Seriengründer, CEO der Freigeist Capital und einem breiten Publikum aus dem Fernsehformat „Die Höhle der Löwen“ Deutschland bekannt.
Grundlegend sieht Thelen enorme, durch Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) angetriebene Wachstumschancen auf die Wirtschaft zukommen. Im Kern profitierten hiervon Volkswirtschaften, die sich voll auf eine Frage spezialisierten: „Wer hat die beste KI und kann skaliert Roboter bauen?“ Und dafür müssten sie sich Zugang verschaffen zu Seltenen Erden, Energie und Chips. Europa, so Thelen, habe seine Karten im Wettbewerb um diese „Bausteine der Wirtschaftsmacht“ aber verspielt, während die USA und China die Regeln sogar neu definierten. Die USA habe Rückenwind, Chinas technologischer Vorsprung werde in diesen Breitengraden komplett unterschätzt.
„Europa wird die Autoindustrie verlieren. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie hart das wird“, so Thelen. Auf dem ganzen Kontinent sei das Bewusstsein wenig für die Wucht von Innovationen ausgeprägt, deren Einführung kurz bevorstehe. Als Beispiele führt er das autonome Fahren an, Chips für hirn-gesteuertes Schreiben, die ultraschnelle und energieeffiziente Transportlösung Hyperloop oder vollelektrische Kleinflugzeuge. „Auch diesen Luft-Trend dürfte Europa komplett verpassen, obwohl hier exzellente Lösungen entwickelt wurden“, so Thelen.
Als Investor rief er in Zürich dazu auf, für Europa als Technologiestandort zu kämpfen. Er selbst engagiere sich etwa dafür, dass nicht auch bei Weltraumtechnologien der Anschluss verloren werde. Thelen hat 2020 in das bulgarische Space-Start-up EnduroSat investiert. Erst kürzlich verkündete er, EnduroSat habe unter anderem mithilfe von Google Ventures über 100 Millionen Dollar eingesammelt und in Sofia ein Space-Zentrum eröffnet. Hier sollen bis Ende 2025 bis zu 60 Satelliten pro Monat gefertigt werden. „EnduroSat wird bald für 1 Dollar pro Gigabit Daten aus dem All senden, heute kostet das in der Industrie rund 3000 Dollar – ein echter Quantensprung für Europas Raumfahrt“, so Thelen. SpaceX von Elon Musk soll die Satelliten ins All bringen.
Open-i versteht sich als Schweizer Innovationsgemeinschaft und Dialogplattform für Wirtschaft und Wissenschaft. 2025 fand die Konferenz am 27. November im Kongresshaus Zürich statt. Sie bringt akademische und ökonomische Fachleute zusammen und will den Weg ebnen für Kooperationen, die die führende Rolle der Schweiz als innovativen und erfolgreichen Markt sichern. Veranstaltet wird Open-i von NZZ Connect, einer Zweigniederlassung der NZZ mit Sitz in Bern. ce/yvh

