Flughafen Zürich: Betriebszeiten sichern, Anbindung stärken

Kommentar von Raphaël Tschanz, Direktor Zürcher Handelskammer

Der Zürcher Kantonsrat ist am 30. März in erster Lesung auf den Gegenvorschlag der Mehrheit der Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt eingetreten. Das ist nicht der richtige Weg. Gleichzeitig hat die Debatte aber auch gezeigt, dass die «Flughafen-Nachtruheinitiative» im Rat keine Mehrheit finden dürfte. Das ist erfreulich. Umso wichtiger ist es nun, den Gegenvorschlag bis zur zweiten Lesung im Juni nochmals kritisch zu hinterfragen. 

Entscheidend für den Standort Zürich und für die ganze Schweiz bleibt, dass die heutigen Betriebszeiten des Flughafens Zürich langfristig gesichert werden. Sie sind eine zentrale Voraussetzung für die internationale Erreichbarkeit unseres Landes. Am Flughafen Zürich gilt heute eine Betriebszeit von 6.00 bis 23.30 Uhr. Dabei ist die letzte halbe Stunde von 23.00 bis 23.30 Uhr ausschliesslich für den Verspätungsabbau vorgesehen. Dieser Puffer ist ein elementarer Bestandteil eines funktionierenden Drehkreuzes. Fällt er weg, gerät die letzte Langstrecken-Welle am Abend unter Druck. Das hätte Folgen weit über den Flughafen hinaus. Eine Verkürzung der Betriebszeit um 30 Minuten würde die internationale Anbindung der Schweiz massiv schwächen. 

Es geht dabei nicht um Bequemlichkeit, sondern um die Erreichbarkeit eines exportorientierten und international vernetzten Landes. Die Schweiz lebt von offenen Märkten, von internationalen Unternehmen, von Forschung, Tourismus und globalen Wertschöpfungsketten. Der Flughafen Zürich ist dafür eine zentrale Drehscheibe und von hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung. Er verbindet die Schweiz direkt mit den wichtigen Wirtschaftsräumen Europas und der Welt. Diese Verbindungen setzen verlässliche Rahmenbedingungen voraus. 

Wenig überzeugend ist deshalb der Gegenvorschlag. Die Betriebszeiten sind bundesrechtlich geregelt. Zusätzliche kantonale Vorgaben schaffen vor allem neue Erwartungen, mehr politischen Druck und mehr administrativen Aufwand. Gerade in sensiblen Nachtstunden droht damit eine schleichende Verschärfung, obwohl Zürich schon heute im engsten betrieblichen Korsett aller vergleichbaren Drehkreuze operiert. 

Für die Zürcher Handelskammer ist klar: Wer die internationale Anbindung der Schweiz sichern will, darf die heutigen Betriebszeiten nicht weiter infrage stellen. Standortpolitik braucht hier Augenmass, Verlässlichkeit und ein klares Bekenntnis zu einem leistungsfähigen Landesflughafen.

Zurück zur Übersicht