Der Trend ist eindeutig: Es werden mehr Menschen pensioniert als Junge nachrücken – uns fehlen zunehmend die Fach- und Arbeitskräfte. Eine neue Studie des Amts für Wirtschaft des Kantons Zürich und von Deloitte hat diese Auswirkungen auf die Zürcher Wirtschaft analysiert.
Die Lage sieht nicht rosig aus. Wollen wir das BIP-Wachstum linear zum Trend von 2000–2024 fortführen, fehlen der Zürcher Wirtschaft bis 2050 rund 300’000 Arbeitskräfte. Dadurch liegt das BIP 2050 um rund 50 Milliarden Franken tiefer und beträgt noch rund 195 Milliarden Franken.
Relevanter für den Wohlstand ist jedoch das BIP pro Kopf. Hier sieht es nicht ganz so düster aus: Ohne Massnahmen rechnen die Autoren bis 2050 jedoch noch immer mit einem Arbeitskräftemangel von 88’000, oder einer jährlichen Einbusse von rund 7’600 Franken pro Kopf.
Drei Hebel gegen den Wohlstandsverlust
Um diesem Trend entgegenzuwirken, identifiziert die Studie drei strategische Hebel: die Arbeitsintensität, die Arbeitsproduktivität und die Altersstruktur.
Die Arbeitsintensität – also wie viel insgesamt gearbeitet wird – liesse sich etwa durch eine Erhöhung des Rentenalters, steuerliche Anreize für Vollzeiterwerbstätige, zusätzliche Subventionen für die Kinderbetreuung oder einer Abkehr bei Unternehmen vom sogenannten «Zero Gap Recruiting» erhöhen. Zum Teil erhebliche Kosten wie auch aktuell schwierige politische Mehrheitsverhältnisse stehen diesen Massnahmen derzeit im Weg.
Die Arbeitsproduktivität – die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde – liesse sich durch verbesserte staatliche Rahmenbedingungen und Massnahmen auf Unternehmensebene steigern, etwa mit einer stärkeren Digitalisierung. KI kann für Unternehmen ein Produktivitätstreiber sein, wie auch eine noch stärker geförderte technische Transformation bei KMU. Zusätzlich kann der Staat die Wirtschaftskompetenz in der Bildung weiter stärken. Das Potenzial hier ist gross, doch demgegenüber stehen teils hohe Kosten sowie Probleme einer effektiven Regulierung.
Die Altersstruktur liesse sich durch Anreize zur Erhöhung der Geburtenziffer und weiteren Optimierungen bei der Zuwanderung verändern. Die Wirksamkeit hier ist indes beschränkt, die Kosten relativ hoch.
Eine Massnahme allein reicht nicht
Für die Autoren ist klar: Keine Massnahme allein kann den Negativtrend signifikant stoppen. Es braucht eine Kombination von Massnahmen, und ein Mitwirken von Politik, Unternehmen und Gesellschaft.Vor diesem Hintergrund lehnt die Zürcher Handelskammer auch die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» entschieden ab. Mit ihrem starren Bevölkerungsdeckel setzt sie den bilateralen Weg mit der EU mutwillig aufs Spiel und ignoriert die demografische Entwicklung in der Schweiz.

