Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die Volksinitiative «Keine-10-Millionen-Schweiz!» ab. Der Titel klingt griffig – die Folgen sind es nicht. Die Vorlage greift tief in das wirtschaftliche Fundament unseres Landes ein. Im Kern verlangt sie einen starren Bevölkerungsdeckel. Bereits in wenigen Jahren dürfte die Schweiz 9,5 Millionen Einwohner erreichen, womit erste Einschränkungen greifen würden. Und spätestens wenn die Bevölkerung vor 2050 auf 10 Millionen ansteigt, müsste die Zuwanderung faktisch gestoppt werden – unabhängig vom Bedarf an Arbeitskräften.
Genau hier liegt das Problem: Die Schweiz steht vor einer demografischen Realität, die sich nicht wegregulieren lässt. Seit Jahren gehen mehr Menschen in Pension, als Junge nachrücken. Ohne Zuwanderung schrumpft die Erwerbsbevölkerung. Ein fixer Deckel würde den Arbeitskräftemangel massiv verschärfen – etwa im Gesundheitswesen, in der Industrie, im Bau, in der IT, in der Landwirtschaft und im Tourismus.
Die wirtschaftlichen Folgen wären fatal. Offene Stellen könnten nicht mehr besetzt, Projekte verzögert oder gar nicht realisiert werden. Gleichzeitig stiegen Löhne und Preise, während die Wettbewerbsfähigkeit sinken würde. Für international tätige Firmen verlöre der Standort Schweiz an Attraktivität – Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze würden abwandern.
Auch für Erwerbstätige würde es teurer: Wenn weniger Menschen arbeiten, aber mehr Rentner finanziert werden müssen, steigt der Druck auf Löhne, Steuern und Abgaben. Kaufkraft und Wohlstand geraten unter Druck.
Zudem gefährdet die Initiative den bilateralen Weg mit der EU. Sie zielt auf die Kündigung der Personenfreizügigkeit und damit auf das Ende der Bilateralen I – wichtige Abkommen für Handel, Verkehr und Forschung.
Diese Abkommen sind jedoch zentral für den Zugang zu unserem wichtigsten Absatzmarkt. Wer sie aufs Spiel setzt, gefährdet Jobs, Investitionen und die internationale Vernetzung der Schweiz.
Die Initiative ersetzt bewährte, flexible Lösungen durch eine starre Zahl in der Verfassung. Sie verschärft Probleme, statt sie zu lösen. Für einen offenen, vernetzten Wirtschaftsstandort ist sie ein fataler Kurs.
Die Zürcher Handelskammer lehnt diese Vorlage deshalb klar ab. Wer Arbeitsplätze sichern und den Wohlstand erhalten will, sagt Nein zur Initiative «Keine 10 Millionen Schweiz!».

