(CONNECT) Der Zollentscheid des Obersten Gerichtshofs der USA bringt gemäss Coface-Fachleuten für Handelspartner neue Risiken. Es zeichne sich ab, so die Analyse des Kreditversicherers und Risikomanagers Coface, dass die Regierung Trump an ihrer Zollpolitik weiter festhalte. Gleichzeitig bedeute das Aus für das System der reziproken Zölle paradoxerweise auch das Ende einer Phase relativer Stabilität. Zu dieser hatten etwa auch bilaterale Vereinbarungen beigetragen, wie sie zwischen der Schweiz und den USA vorliegen. Dass deren rechtliche Gültigkeit unter den neuen Bedingungen noch ungeklärt ist, betrachtet Coface als einen zentralen Treiber der Unsicherheit.
In der letzten Instanz hatte der Supreme Court am 20. Februar 2026 Trumps Einführung reziproker Zölle für ungültig erklärt. Dafür wird deren Begründung verantwortlich gemacht: Das Notstandsgesetz IEEPA ermächtigt zu diesem Schritt nicht im Sinne des Rechts. Nur Stunden später wurde ein anderes Gesetz, Section 122 des Trade Act von 1974, von der Regierung herangezogen, um für die Dauer von 150 Tagen einen breit angesetzten Zollsatz von 10 Prozent ab dem 24. Februar einzuführen.
Die Fachleute berechnen anhand der Importe von 2024, dass durch das neue Zollregime der durchschnittliche Zollsatz von rund 17 auf knapp unter 14 Prozent gefallen ist. Im Vergleich zum vorherigen Durchschnitt von 2,3 Prozent bedeutet das noch immer einen Rekord seit den 1930er-Jahren. Dabei sieht Coface manche Länder stärker als andere belastet, da nun unterschiedliche Zollsätze für Sektoren eine grössere Rolle spielen.
Für die Handelspartner ist insbesondere die Planungsunsicherheit belastend. Eine Zustimmung des Parlaments im Sommer sieht Coface kritisch: Zu diesem Zeitpunkt stehen bereits die Zwischenwahlen Anfang November im Fokus und die Zölle sind unpopulär. Als Grund wird angeführt, dass über 80 Prozent der Kosten der hohen Zölle auf die Wirtschaft und Bevölkerung der USA umgewälzt werden. Das besagt unter anderem eine Coface-Analyse von Preisdaten.
Die Regierung hat nun verschiedene rechtliche Optionen, um hohe Zölle aufrechtzuerhalten. Keine hiervon bietet eine Grundlage für unbegrenzt einseitige Hochzollpolitik, aber die Kombination ermöglicht über Jahre hinweg ein hohes Zollniveau, heisst es.
Rahul Sahgal, der Geschäftsführer des Swiss-American Chamber of Commerce (Swiss Amcham), rechnet mit einer Phase erhöhter Unsicherheit. Für die Schweiz seien die im Joint Statement der USA und Schweiz erwähnten 15-Prozent-All-in-Zölle nun obsolet. Formal, so heisst es von seiner Seite in einer Mitteilung, könnte sich die Verhandlungsposition der USA abgeschwächt haben. Es sei jedoch wichtig für die Schweiz, sich weiter in den Verhandlungen aktiv zu engagieren. „Ohne eine Verständigung mit den Vereinigten Staaten kann das Risiko höherer Zölle nach Ablauf der 150 Tage nicht ausgeschlossen werden“, so Sahgal. Zudem böten Verhandlungen stets auch Chancen auf verbesserte Ergebnisse.
Coface unterstützt als Kreditversicherer und Risikomanager Schweizer Unternehmen seit 1995 bei ihrer internationalen Entwicklung und betreibt Standorte in Zürich und Lausanne. ce/yvh

