Helbling entwickelt Exoskelett für Menschen mit Beeinträchtigung

Zürich/Bern - Helbling nutzt sein Know-how, um ein individualisiertes Exoskelett für Menschen mit Beeinträchtigungen zu entwickeln. In Partnerschaft mit der Initiative HackaHealth ist ein Prototyp entstanden, der als Basis für weitere Anwendungen und Optimierungen dienen soll.

(CONNECT) Mithilfe eines von Helbling entwickelten Exoskeletts wurde eine junge Frau in die Lage versetzt, ihren Alltag viel selbstständiger zu bestreiten, als die Beeinträchtigung ihrer Arme und Schultern es zuvor erlaubte. Dafür kooperierte die Zürcher Engineering- und Consulting-Firma in einem Pro-bono-Projekt mit der Schweizer Initiative HackaHealth, die sich auf die Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigung spezialisiert. Im Zentrum stand laut einem Fachbeitrag von Helbling eine Patientin, die an den Langzeitfolgen von Polio leidet. „In einem abschliessenden Test war sie in der Lage, das Gerät selbstständig einzurichten, zu tragen und alltägliche Aufgaben auszuführen, die zuvor unmöglich waren“, schreiben die Fachleute um Robotik-Spezialistin Laura Santos Carreras vom Helbling-Standort Bern, die als Hauptautorin auftritt. 

Bei der Entwicklung kamen das Wissen und die Erfahrung aus zahlreichen Helbling-Projekten in der Medizintechnik, Robotik und Künstlicher Intelligenz zum Einsatz. Laut Helbling steigern die rasanten Fortschritte in diesen Bereichen das Potenzial für individualisierte assistive Technologien. Treiber seien die demographische Entwicklung und Nachfrage der Industrie. Das vorliegende Projekt wird als Schritt in Richtung einer nächsten Generation von Exoskeletten beschrieben. Dafür stellte Helbling auch frühere Exoskelett-Prototypen für Tests bereit. 

Im Projekt wurde konsequent der Design-Thinking-Ansatz angewendet, der Gebrauchstauglichkeit, Rentabilität, technische Machbarkeit und Nachhaltigkeit ins Zentrum rückt. Grundlegend für die biomechanischen und ergonomischen Designanforderungen sowie für den kompletten Entwicklungsprozess waren Beobachtungen und Gespräche. Dabei sind spezielle Lösungen entstanden – etwa ein thermogeformter Hüftgurt zur Übertragung der Belastung. Die Schwierigkeit, das Gleichgewicht beim An- und Ausziehen des Geräts zu halten, erforderte die Gestaltung einer speziellen Stuhlvorrichtung. Laut HackaHealth-Präsident François Kade bestand einer der direkten Vorteile der Zusammenarbeit darin, dass Helbling Expertise in den Bereichen Sicherheit und Robustheit in das Design eingebracht hat. 

Bei der Umsetzung wurden nach Möglichkeit handelsübliche oder kostengünstige Komponenten verwendet, um die Wartung und Rentabilität sicherzustellen. Das sollte auch einer modularen Weiterentwicklung den Weg ebnen. So beschreiben die Fachleute Ansätze für zahlreiche Weiterentwicklungen und erwähnen Closed-Loop-Regelungssysteme auf Basis von Sprachbefehlen oder auch Gehirn-Computer-Schnittstellen. ce/ug 

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