(CONNECT) Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte sowie regulatorische Veränderungen bedrohen auch Schweizer Unternehmen. Dies geht laut einer Mitteilung aus einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor. Im 2026 EY Geostrategy in Practice Survey of Swiss Companies wurden 244 Führungskräfte von in der Schweiz tätigen Unternehmen unterschiedlicher Grössen und Branchen befragt.
Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gab an, in den vergangenen 24 Monaten negative Auswirkungen der internationalen Lage verspürt zu haben. 49 Prozent verspürten Auswirkungen auf Betriebsabläufe und Lieferketten, 41 Prozent bei Absatz, Wachstum und finanziellen Transaktionen. Bei Steuern und Finanzen waren es 28 Prozent. In ihrer Reputation sehen sich 24 Prozent und auf den Feldern Technologie, Daten und geistiges Eigentum 23 Prozent der Befragten beeinträchtigt. Lediglich 14 Prozent der Unternehmen sehen auch positive Trends beim Umsatz und nur 8 Prozent positive Effekte bei Wachstum, Investitionen und Transaktionen.
Die Umfrage zeigte jedoch auch, dass systematische Gegensteuerungen häufig noch ausbleiben. Zwar erkennen und überwachen 73 Prozent der Befragten politische Risiken. Aber nur 48 Prozent steuern proaktiv dagegen. Zwei Drittel der Unternehmen sammeln Daten zu Risiken. Während 81 Prozent der Unternehmen die Risiken wahrnehmen, quantifizieren jedoch nur 59 Prozent der Befragten die Auswirkungen auf die eigenen Geschäftsbereiche und nur 32 Prozent unternehmen dies regelmässig. Nur drei von zehn Unternehmen führen systematische Szenarioanalysen durch und nur jedes vierte adäquate Stresstests. Nur 18 Prozent trainieren Notfallmassnahmen.
„Die hohe Zahl unerwarteter Ereignisse unterstreicht, wie schwierig es geworden ist, geopolitische Entwicklungen mit klassischen Risikomanagementansätzen abzubilden“, wird Famke Krumbmüller, Partnerin bei EY Geostrategy Europe, in der Mitteilung zitiert. „Unternehmen benötigen deshalb nicht nur bessere Informationen, sondern auch Strukturen, die schnelle Entscheidungen und deren Umsetzung ermöglichen.“
Doch nur etwas mehr als ein Fünftel der befragten Unternehmen (22 Prozent) haben das Thema Geostrategie einem bestimmten Team zugeordnet, die Hälfte der Unternehmen identifizierten die relevanten Rollen nicht. Immerhin haben 50 Prozent ihre Regeln für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) und neuen Technologien angepasst. 29 Prozent haben ihre Abhängigkeit von ausländischen Anbietern reduziert und 27 Prozent haben ihre Daten-, KI- oder Technologieinfrastruktur über verschiedene Rechtsräume hinweg regionalisiert oder lokalisiert.
Die Umfrage wurde im Juli und August 2026 durchgeführt. e/ww

