Fünf Fragen an Dr. Markus Naegeli, CEO der Canon Schweiz AG und der Canon Deutschland GmbH

Canon steht für Imaging, Drucklösungen und seit vielen Jahren auch für digitale Workflows. Wie hat sich das Geschäftsmodell in den letzten Jahren verändert und wo sehen Sie die grössten Wachstumspotenziale?

Canon hat sich in den letzten Jahren konsequent vom reinen Hardware-Anbieter zu einem Lösungs- und Managed-Service-Anbieter entwickelt. Wir setzen konsequent auf Service- und Subskriptionsmodelle mit integrierten Lösungen für digitale Workflows und Dokumentenmanagement. Ein weiterer starker Wachstumstreiber ist der Produktionsdruck: Mit unserer digitalen Inkjet-Drucktechnologie für industrielle und kommerzielle Anwendungen sind wir in einem dynamischen Markt klar führend. Wobei Innovation unsere DNA ist Innovation: Canon investiert jährlich rund 8 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung – über 2 Mrd. USD. Seit 42 Jahren gehört Canon damit weltweit zu den Top 10 der Unternehmen mit den meisten Patenten.

Sie verantworten sowohl die Schweiz als auch Deutschland. Welche Unterschiede sehen Sie bei Marktumfeld, Regulierung und Wettbewerbsintensität – und was kann der Standort Schweiz daraus lernen?

Deutschland ist ein Markt mit deutlich intensiverem Preiswettbewerb, stärkerer Regulierung und unterschiedlichen Vertriebsstrukturen, die aber grössere Skaleneffekte ermöglichen. Die Schweiz ist geografisch kompakt, geprägt von Mehrsprachigkeit und persönlichen Kundenbeziehungen. Ich erlebe in der Schweiz auch eine hohe Bereitschaft, in Lösungen zu investieren, die langfristig Qualität und umfassende Serviceleistungen garantieren. Ich wünschte mir gleichzeitig für Schweizer Firmen mehr Skalierungsdenken und eine stärkere Standardisierung von Prozessen und Lösungen – mit weniger «Swiss Finish». Als zunehmendes Risiko sehe ich hierzulande die steigende Regulierungsdichte und Compliance-Anforderungen.

Die Digitalisierung verändert Kommunikation, Publishing und Dokumentenmanagement grundlegend. Welche Rolle spielen Automatisierung, Cloud-Lösungen und KI für Canon – und wie wirken sie sich auf klassische Printmärkte aus?

Print stirbt nicht – Print transformiert sich. Wir sehen weniger Volumen und gleichzeitig einen klaren Trend zu personalisiertem, hochwertigem Druck. Canon investiert stark in cloudbasierte Plattformen, die flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen. KI verändert auch unsere Lösungen fundamental – von der intelligenten Klassifizierung über automatisierte Workflows bis hin zu neuen Servicemodellen mit prädiktiver Wartung. Entscheidend ist allerdings: Automatisierung beginnt nicht mit Algorithmen, sondern mit Architektur. Nur wenn Informationen sicher und ohne Systembrüche fliessen, wird KI zum echten Produktivitätstreiber.

Technologieunternehmen stehen unter Druck durch globale Lieferketten, geopolitische Spannungen und steigende Regulierung. Welche Standortfaktoren sind entscheidend, damit internationale Konzerne weiterhin in der Schweiz investieren?

Ich sehe beide Seiten: In Deutschland erlebe ich, wie eine steigende Regulierung und Compliance-Vorgaben Unternehmen herausfordern können. Die Schweiz ist sehr gut aufgestellt und sie bietet nach wie vor, was internationale Konzerne suchen: Rechtssicherheit, politische Stabilität und verlässliche Rahmenbedingungen. Hinzu kommen produktive, hervorragend ausgebildete Fachkräfte, eine hohe Innovationskraft, eine ausgeprägte «Can-Do»-Mentalität. Die Lebensqualität sowie die internationale Anbindung machen die Schweiz als Standort weiterhin äusserst attraktiv. Gleichzeitig sind der starke Franken und mögliche Handelsbarrieren und Zölle ein Dauerthema, und die offene Frage der EU-Beziehungen verunsichert.

Fachkräfte in IT, Engineering und Vertrieb sind stark umworben. Was erwarten Sie von Bildungssystem und Politik, damit Unternehmen wie Canon in der Schweiz genügend qualifizierte Talente finden?

Das duale Bildungssystem und die Durchlässigkeit sind echte Stärken – sie sollten noch konsequenter auf digitale Kompetenzen ausgerichtet werden. MINT-Förderung muss früh ansetzen, nicht erst an Hochschulen und Universitäten. Canon leistet hier selbst einen wichtigen Beitrag: Wir bieten Lehrstellen, ein Graduate-Programm, Weiterbildungen und alternative Karrierewege mit Mentoring-Programmen. Gleichzeitig sind flexible Arbeitsmodelle wie Remote Work, Teilzeit und Job-Sharing sowie eine offene Unternehmenskultur, die auf Vertrauen, Transparenz und Mitgestaltung basiert, heute unsere entscheidenden Wettbewerbsvorteile im Recruiting. Wer die besten Talente gewinnen und halten will, muss ihnen Raum geben, sich zu entfalten.

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