(CONNECT) Die CELLnTEC Advanced Cell Systems AG aus Bern trägt als einer von zwölf Partnern im europäischen Projekt NEOLIVER essenzielle Mitverantwortung für die Herstellung kleiner, im Labor gezüchteter Leber-Zellstrukturen. Laut einer Mitteilung der Ausgründung aus der Universität Bern wird hierbei ein spezielles, von CELLnTEC mitentwickeltes Nährmedium verwendet. NEOLIVER wird vom EU-Forschungsprogramm Horizon Europe und dem Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation mit insgesamt 10 Millionen Euro kofinanziert. Unter der Leitung der niederländischen Universität Utrechtverfolgen die zwölf Konsortiumsmitglieder – darunter aus der Schweiz neben CELLnTEC auch das Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique (CSEM) und Kugelmeiers Ltd. aus Erlenbach ZH – das Ziel, die weltweit erste personalisierte biogedruckte Leber für den klinischen Einsatz zu entwickeln. Für die Entwicklung dieses sogenannten Advanced Therapy Medicinal Products (ATMP) werden zwei Bioprinting-Technologien miteinander verbunden.
„Das von uns mitentwickelte Nährmedium ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die verschiedenen Zelltypen im Projekt zuverlässig zusammen funktionieren“, heisst es von CELLnTEC-Forschungsleiter Stefan Bärtschi. Ein geeignetes Medium schafft eine stabile biologische Grundlage und unterstützt damit direkt die Entwicklung eines sicheren, reproduzierbaren und funktionellen Leberkonstrukts. CELLnTEC konnte in früheren Projekten ausreichend Erfahrungen sammeln, um ein Medium nicht nur biologisch wirksamer zu gestalten. Es enthält auch keine Materialien tierischen Ursprungs mehr – ein entscheidender Vorteil, denn dadurch ist es laut Bärtschi besser kontrollierbar, standardisierbar und aus regulatorischer Sicht attraktiver.
Momentan steht das Projekt in der ersten Hälfte der insgesamt vier Projektjahre. Im Juni haben sich die Projektpartner bei einem Treffen im deutschen Aachen in Bezug auf die kommenden Schritte abgestimmt. CELLnTEC finalisiert gerade die Rezeptur für das Nährmedium und will es dem Konsortium schon ab 2027 in ausreichender Menge zur Verfügung stellen.
CELLnTEC ist zum ersten Mal in ein gross angelegtes Forschungsprojekt der Europäischen Union integriert und wurde dabei durch Euresearch begleitet, die Anlaufstelle für das Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Die Teilnahme bringt Sichtbarkeit, doch Bärtschi betont: „Besonders wertvoll ist der direkte Austausch mit Partnern aus Zellbiologie, Bioprinting, Materialentwicklung, Automatisierung, präklinischer Validierung und regulatorischer Planung.“ So könnten Produkte und Entwicklungsprozesse gezielt weiterentwickelt werden.
Dank Projektleiter Bart Spee von der Universität Utrecht und dem Projektmanagement-Partner AMIRES sei die Zusammenarbeit sehr konstruktiv und gut organisiert, so Bärtschi. Nur so könnten die sehr unterschiedlichen und eng miteinander verbundenen Bereiche am Ende zusammenfinden und vielleicht auch die Perspektive weiten. NEOLIVER konzentriert sich auf die Leber, doch die entwickelten Bausteine könnten auch für andere komplexe Gewebe und Organe in der Regenerativ-Medizin relevant werden. ce/yvh

