Zürcher Wirtschaft überraschend robust – dem Tourismus fehlen jedoch ausgabestarke Gäste

Die Zürcher Wirtschaft zeigt sich trotz geopolitischer und handelspolitischer Turbulenzen überraschend robust. Die Geschäftslage der Unternehmen hat sich nach einer vorübergehenden Eintrübung im Frühjahr wieder erholt und ist so positiv wie zuletzt Mitte 2023. Die Geschäftserwartungen bleiben verhalten, haben sich zuletzt aber aufgehellt. Gegenläufig entwickelt sich der Tourismus.

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran, die wiederholte Blockade der Strasse von Hormus und die unberechenbare US-Handelspolitik haben die Stimmung von Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten in den vergangenen Monaten getrübt. Auch der aktuelle Rekordsommer stellt die Schweizer Wirtschaft vor Herausforderungen. Hohe Temperaturen und tiefe Wasserstände belasten die Energieinfrastruktur und Transportwege.

Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus bricht ein

Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus im Vergleich zu 2025, 7-Tage-Durchschnitt, in %

Zürcher Wirtschaft erholt sich trotz anhaltender Unsicherheit grösstenteils

Die Realwirtschaft hält den anhaltenden Belastungen jedoch bemerkenswert stand. Die Geschäftslage der Zürcher Unternehmen zeigt sich so positiv wie zuletzt Mitte 2023. Besonders die Industrie, der Grosshandel, die Finanz- und Versicherungsbranche sowie die übrigen Dienstleistungen zeigten zuletzt positive Tendenzen. Die Binnenbranchen Bau und Projektierung bleiben auf hohem Niveau stabil. Auch die Geschäftserwartungen haben sich verbessert. Das spricht für vorsichtigen Optimismus: Trotz hoher Unsicherheit zeigen sich die Zürcher Unternehmen anpassungsfähig, ohne die bestehenden Risiken auszublenden.

Aktuelle Geschäftslage Zürich vs. Gesamtschweiz

Saldo aus «gut» und «schlecht», saisonbereinigt

Erwartete Änderung in den nächsten sechs Monaten

Saldo aus «verbessern» und «verschlechtern», saisonbereinigt

Der Saldo entspricht der Differenz zwischen dem Anteil positiver und dem Anteil negativer Nennungen und wird in Prozentpunkten angegeben. Ist er grösser als null, überwiegen die positiven Antworten; ist er kleiner als null, überwiegen die negativen. Beispiel: 30 % der Unternehmen schätzen ihre Geschäftslage als «gut» ein, 20 % als «schlecht». Daraus ergibt sich ein Saldo von 10 Prozentpunkten. Die übrigen 50 % entfallen auf eine «befriedigende» Geschäftslage und werden bei der Berechnung des Saldos nicht berücksichtigt.

Quelle: Konjunkturboard Zürich, KOF Institut ETH Zürich

Schwächer präsentieren sich dagegen die tourismusnahen Branchen Gastgewerbe und Detailhandel. Der Grund: Viele Gäste aus Fernmärkten, die stark von Flugverbindungen über den Nahen Osten abhängig sind, bleiben aus. Die Logiernächte von Gästen aus Indien gingen im ersten Halbjahr um 28 Prozent zurück, jene aus Südostasien um 26 Prozent und jene aus den Golfstaaten um 14 Prozent. China verzeichnete ein Minus von 2 Prozent. Wirtschaftlich besonders relevant sind dabei die Rückgänge bei den Gästen aus den Golfstaaten und China, weil sie überdurchschnittlich hohe Tagesausgaben aufweisen.

Zurückhaltung bei Neueinstellungen hält an

Trotz verhaltenem Optimismus bei der Geschäftslage bleiben die Unternehmen bei Neueinstellungen für die kommenden Monate noch zurückhaltend. Eine leichte Verbesserung ist zwar erkennbar, eine deutliche Belebung des Arbeitsmarkts zeichnet sich aber noch nicht ab.

Unter Einbezug verschiedener Prognosen geht das Konjunkturboard für 2026 von einem moderaten realen BIP-Wachstum von rund 1 Prozent im Kanton Zürich aus (sporteventbereinigt). Unbereinigt, also mit Sportevents, dürfte das Wachstum aufgrund der Wertschöpfung aus der FIFA-Fussballweltmeisterschaft knapp 2 Prozent betragen.

Das Konjunkturboard Zürich ist eine Partnerschaft zwischen dem Amt für Wirtschaft, der Zürcher Kantonalbank und der Zürcher Handelskammer. Es analysiert halbjährlich die konjunkturelle Entwicklung der Zürcher Wirtschaft.

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