Richtungsweisende Abstimmungen zur Wohnpolitik: Grosser Anlass zu den kantonalen Wohninitiativen

Wie lässt sich die Wohnraumknappheit im Kanton Zürich entschärfen – und welche Folgen hätten zusätzliche Regulierungen für den Wohnungsmarkt? Diese Fragen standen im Zentrum des Anlasses der Zürcher Handelskammer vom 7. Mai zur Wohnschutz-Initiative und zur Wohnungs-Initiative sowie zu den jeweiligen Gegenvorschlägen. Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh, Ökonom Marco Salvi sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik und vom Mieterverband diskutierten vor zahlreichem Publikum über die wohnpolitischen Abstimmungen vom 14. Juni 2026.

Zum Auftakt der Veranstaltung an der Pädagogischen Hochschule Zürich betonte Raphaël Tschanz, Direktor der Zürcher Handelskammer, die Bedeutung von ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum für einen attraktiven Wirtschafts- und Lebensstandort Zürich. «Die aktuellen Abstimmungen sind eine wichtige Weichenstellung für die zukünftige Entwicklung des Kantons», sagte er.  

Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh ordnete die Vorlagen aus Sicht des Regierungsrats ein. Die Kombination aus schwächelnder Bautätigkeit und stark wachsender Nachfrage verschärfe die Wohnraumknappheit und damit den Preisdruck. Zusätzliche Regulierungen würden den Wohnungsmarkt weiter bremsen und Investitionen erschweren. Die Wohnschutz-Initiative verteuere Renovationen und Neubauten, verlangsame die Erneuerung des Wohnungsbestands und belaste das lokale Baugewerbe. Der Gegenvorschlag des Kantonsrats setze dagegen auf verhältnismässige Massnahmen wie etappenweise Sanierungen oder Sanierungen im bewohnten Zustand mit Schutzauflagen für Mieterinnen und Mieter. Auch die Wohnungs-Initiative lehnt der Regierungsrat ab. Statt einer kantonalen Wohnbaugesellschaft solle der Gegenvorschlag den Wohnungsbau vereinfachen und beschleunigen. 

In Genf bremst starker Wohnschutz Erneuerungen und unterbricht Umzugsketten

Anschliessend zeigte Ökonom Marco Salvi die möglichen Auswirkungen zusätzlicher Regulierungen auf den Wohnungsmarkt auf. Wohnschutz führe zu zusätzlichen Bewilligungsverfahren und könne Investitionen in Erneuerungen und Ersatzneubauten hemmen. Als Beispiel verwies Salvi auf Erfahrungen aus Genf, wo strenge Regulierungen Sanierungen erschwerten und die Erneuerungsdynamik des Wohnungsbestands gebremst hätten. Wohnschutz verhindere zudem die gewünschte Innenentwicklung und unterbreche sogenannte Umzugsketten, welche den Wohnungsmarkt entlasten könnten. Für den Kanton Zürich prognostizierte Salvi unter anderem rückläufige Bauinvestitionen und ein sinkendes Angebot an Mietwohnungen, sollte die Wohnschutz-Initiative am 14. Juni angenommen werden. 

Mehr Wohnraum schaffen – nicht mehr regulieren 

In der anschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Filippo Leutenegger (Präsident FDP Kanton Zürich), Tina Deplazes (Präsidentin Die Mitte Kanton Zürich), Walter Angst (Leitung Kommunikation Mieterinnen- und Mieterverband Zürich) und Raimondo Incardona (Mitglied Mieterinnen- und Mieterverband) hitzig über die Ursachen der Wohnungsknappheit und mögliche Lösungsansätze. Einigkeit bestand darüber, dass die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt ist und zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden muss. Umstritten blieb hingegen der Weg dorthin. Während die Befürworter der Initiativen stärkeren Schutz vor Leerkündigungen sowie mehr gemeinnützigen Wohnungsbau forderten, warnten die Gegner vor zusätzlichen Eingriffen, sinkenden Investitionen und einer weiteren Verknappung des Angebots.

Der Anlass zeigte deutlich: Die wohnpolitischen Abstimmungen vom 14. Juni 2026 bewegen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung gleichermassen. Für die Zürcher Handelskammer bleibt klar: Die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt lassen sich nur mit mehr Wohnungsbau, schnelleren Verfahren und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen nachhaltig lösen und nicht durch zusätzliche Regulierung. Darum lautet die Abstimmungsempfehlung: Zweimal Nein zu den Wohn-Initiativen, zweimal Ja zu den Gegenvorschlägen.  

 

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