Es sei erstaunlich, „dass das Geschäftsmodell der Versicherer bisher weltweit noch kaum von Anbietern mit digitalen Technologien richtig herausgefordert worden ist“, meint Walter Kielholz im Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Der Verwaltungsratspräsident von Swiss Re ist sich jedoch sicher, dass die Versicherungsbranche auch ohne digitale Konkurrenz von der allgemeinen Digitalisierung vor grosse Herausforderungen gestellt wird. So werde beispielsweise insbesondere in Grossstadtregionen „niemand mehr ein Auto kaufen“, sobald über Plattformen genug selbstfahrende Autos zur Verfügung gestellt würden. Damit entfiele dann auch ein Grossteil des für Versicherer wichtigen Autogeschäfts.
Für Kielholz muss Swiss Re deswegen „näher an das Risiko rücken“. Darunter stellt sich der Rückversicherungschef unter anderem Kooperationen mit grossen E-Commerce-Händlern vor. Ein solcher könnte Kunden beispielsweise den Abschluss einer Lebensversicherung empfehlen, bei der die Versicherungssumme über Rabatte beim Einkauf aufgestockt wird.
Derartige Geschäftsmodelle würde Swiss Re gerne mit der japanischen Softbank als Partnerin entwickeln. „Falls unsere Gespräche zu einem positiven Abschluss kommen, was derzeit noch ungewiss ist, würden wir gleichsam als Teil des erweiterten Softbank-Universums verschiedene Kooperationsmöglichkeiten evaluieren“, erläutert Kielholz im Interview. Ihm zufolge ist die Softbank vor allem an um E-Commerce-Plattformen herum entstehenden Ökosystemen von Anbietern in Bereichen wie Gesundheit oder Mobilität interessiert. hs

