Kurz vor seinem Abtritt per Ende Jahr zieht Migros-Chef Herbert Bolliger Bilanz. Er habe im Textilmarkt die Möglichkeiten der Digitalisierung unterschätzt, gesteht Bolliger im Interview mit der „Schweiz am Wochenende“. „Ich konnte nicht glauben, dass ein Geschäft profitabel sein kann, bei dem jeder zweite Artikel zurückgeschickt wird, wie das bei Kleider-Shops im Internet der Fall ist.“
Inzwischen sei die Migros jedoch „klar am weitesten in der Schweiz“, auch wenn die Digitalisierung insgesamt noch am Anfang stehe. Innerhalb der Migros-Genossenschaft stehen hier die reinen Online-Firmen besser da als stationäre Geschäfte mit einem Internetzusatz. „Dort mangelt es oft an der Entschlossenheit, weil man befürchtet, man nehme den eigenen Läden den Umsatz weg“, erläutert der scheidende CEO.
Eine Bedrohung der klassischen Migros-Lebensmittelläden durch das Internet fürchtet Bolliger nicht. „Die Kunden entscheiden je länger, je weniger zwischen physischem und digitalem Einkaufen.“ Migros richtet sich dabei an stärkerer stationärer Präsenz auf kleineren Flächen aus. „Wir gehen wieder mehr in die Quartiere.“
In den Jahren, in denen Bolliger an der Migros-Spitze steht, ist der Umsatz des Detailhandelsriesen von 20 auf 27 Milliarden Franken, sein Marktanteil von 18 auf 22 Prozent gewachsen. Weiteres Wachstumspotenzial sieht der scheidende Chef vor allem im Bereich Gesundheit. Zudem sollen auch die Onlineshops Digitec und Galaxus weiter wachsen. Im Lebensmittelbereich will die Migros ihre stationären Läden mit Le Shop verbinden. hs

