Raiffeisen sieht Bauregulierung als Grund für gebremsten Wohnungsbau

St.Gallen - Die Mietpreisdynamik auf dem Schweizer Wohnungsmarkt dürfte aufgrund eines knappen Angebots, hoher Nachfrage und steigender Baukosten nach einer relativen Ruhepause wieder anziehen. Trotzdem bleibt die Bautätigkeit aufgrund umfassender Regulierungen niedrig, heisst es in einer Studie der Raiffeisen-Gruppe.

(CONNECT) Seit Anfang 2024 hat sich die Preisdynamik auf dem Schweizer Wohnungsmarkt beruhigt. Gründe dafür sind laut der Studie „Immobilien Schweiz 2Q 2026" der Raiffeisen-Gruppe gesunkene Zuwanderung, tiefere Zinsen und stabile Baupreise, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. 

Laut Studie könnte diese relative Ruhepause ein baldiges Ende finden. Der Auslauf der mietpreisdämpfenden Effekte des gesunkenen Referenzzinssatzes sowie höhere Energiepreise in Folge des Irankriegs lassen Baupreise aktuell stark steigen. Gleichzeitig bleibt die Wohnbautätigkeit in der Schweiz auf historisch tiefem Niveau.

Grund dafür ist etwa die Verdichtung von Regulierungen in den Bereichen Energieeffizienz, Klima- und Lärmschutz, Barrierefreiheit oder Denkmalschutz. So hat die Länge der kantonalen Baugesetze seit 2005 im Schnitt um 26 Prozent zugenommen, die Länge der Bauverordnungen sogar um 32 Prozent. Regulatorische Vorschriften nehmen allerdings auch durch technische Normen von privaten Fachverbänden zu. Laut Studie werden diese häufig für rechtlich verbindlich erklärt und führen so zu längeren Bewilligungsverfahren, höheren Planungsrisiken und steigenden Baukosten. Die Einwirkung dieser Faktoren könne so zu einem baldigen Ende der Preisberuhigung am Mietwohnungsmarkt führen, erklärt Raiffeisen.

Die Vielzahl neuer gesellschaftlicher und technischer Erwartungen an den Wohnungsbau ist meist politisch gewollt und breit abgestützt und für sich alleine betrachtet erscheinen einzelne Regulierungen durchaus sinnvoll", wird Fredy Hasenmaile zitiert, Chefökonom Raiffeisen Schweiz. In ihrer Gesamtheit tragen sie jedoch dazu bei, dass Komplexität, Risiken und Kosten des Wohnungsbaus derart stark zunehmen, dass diese Effekte durch technischen Fortschritt und Effizienzgewinne nicht mehr ausgeglichen werden können."

Die beschlossene Abschaffung des Eigenmietwerts zeigt dabei noch keine handfesten Auswirkungen am Wohnungsmarkt. Um Steuereinsparpotenziale rechtzeitig zu realisieren, empfiehlt Hasenmaile eine baldige Renovation von  Eigenheimen mit Sanierungsbedarf. ce/ja

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