Die Schweiz gehört in der PISA-Studie 2025 weiterhin zu den leistungsstärkeren Ländern. In Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften liegt sie über dem OECD-Durchschnitt. Das ist erfreulich, darf aber nicht über den entscheidenden Befund hinwegtäuschen: Die Leistungen der Schweizer Jugendlichen sinken seit Jahren. Seit 2015 fiel der Mittelwert in Mathematik von 521 auf 499 Punkte, im Lesen von 492 auf 470 Punkte. Inzwischen erreichen 28,8 Prozent der 15-Jährigen beim Lesen das Grundniveau nicht. Fast drei von zehn Jugendlichen können Texte nur unzureichend verstehen und einordnen. In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz fertige Antworten liefert, wird diese Fähigkeit wichtiger, nicht weniger wichtig.
Für die Wirtschaft sind das keine abstrakten Testwerte. Ausbildungsbetriebe müssen zunehmend Zeit und Mittel einsetzen, um Lernende beim Lesen, Schreiben und Rechnen nachzuschulen. Das gehört in einem gewissen Mass zur Berufsbildung. Doch die Lehre darf nicht zur Reparaturstufe der obligatorischen Schule werden. Sie soll junge Menschen für einen Beruf qualifizieren – nicht Versäumnisse aus neun Schuljahren aufarbeiten.
Für Zürich ist der Befund besonders ernst. Unser Standort lebt von Wissen, Innovation und gut ausgebildeten Fachkräften. Ohne sichere Grundkompetenzen bleiben Bildungswege verschlossen, und der Fachkräftemangel verschärft sich. Auch die gesellschaftliche Teilhabe leidet, wenn junge Menschen Mühe haben, einen Vertrag, eine Abstimmungsvorlage oder eine sachliche Argumentation zu verstehen.
Die Antwort kann nicht einfach lauten, noch mehr Geld ins System zu geben. Die Schweiz investiert bereits viel in die Bildung. Entscheidend ist, was im Klassenzimmer ankommt. Der Kanton Zürich braucht deshalb eine klare Prioritätensetzung: mehr Zeit und verbindliche Lernziele für Deutsch und Mathematik, regelmässige Standortbestimmungen sowie gezielte Förderung, sobald Lücken sichtbar werden. Lehrpersonen sollen sich auf das Unterrichten konzentrieren können; neue Aufgaben für die Schule sind zurückhaltend zu beschliessen. Reformen müssen konsequent auf ihre Wirkung überprüft werden.
Die PISA-Ergebnisse sind ein unmissverständlicher Auftrag. Eine starke Volksschule zeigt sich nicht an der Zahl ihrer Programme und Projekte, sondern daran, dass Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit lesen, schreiben und rechnen können. Daran muss sich die Zürcher Bildungspolitik messen lassen.

