Vor rund fünfzig Gästen eröffnete Raphaël Tschanz, Direktor der Zürcher Handelskammer, die Veranstaltung «Gesundheit neu denken – Die Bedeutung einer gesunden Bevölkerung für unseren Standort». Im Zentrum stand die Frage, wie Gesundheit und ein prosperierender Wirtschaftsstandort zusammengedacht werden können. Den Auftakt machte der Blick auf die Zahlen.
Kosten, die vor allem Unternehmen tragen
Prof. Dr. Simon Wieser (ZHAW) stellte im ersten Inputreferat eine Studie im Auftrag des BAG vor. Nichtübertragbare Krankheiten verursachen demnach 80 Prozent der zuteilbaren Gesundheitskosten (CHF 66 Milliarden) und 60 Prozent der Produktionsverluste (CHF 43 Milliarden). Letztere tragen vor allem die Unternehmen, auch weil der Absentismus stetig steigt. Zusammen machen die Kosten fast 20 Prozent des BIP aus. Eine gute Nachricht gab es: Mindestens 40 Prozent der Krankheitslast gehen auf vermeidbare Risikofaktoren zurück. Doch nur 1,9 Prozent der Gesundheitskosten fliessen heute in die Prävention.
Prävention neu denken
Anne Mette Wiis Vogelsang, General Manager von Novo Schweiz, richtete den Blick im zweiten Inputreferat auf die Lösungen. Am Beispiel von Typ-2-Diabetes zeigte sie, wie Prävention entlang des ganzen Patientenpfads wirkt: von der Vorbeugung über die Früherkennung bis zur Behandlung. Sie plädierte dafür, Behandlungsergebnisse zu erfassen und Qualität, statt Menge zu vergüten. Bei Adipositas fehle es oft an Hilfe: 72 Prozent der Betroffenen hält Scham davon ab, Unterstützung zu suchen, und 75 Prozent der Ärzteschaft vermissen interdisziplinäre Angebote. Gesundheit sei eine Investition in den Wohlstand der Gesellschaft.
Podiumsdiskussion
Auf dem Podium diskutierten Nationalrätin Dr. med. Bettina Balmer, Prof. Dr. Tobias Schiergens (Swiss Re), Prof. Dr. Simon Wieser und Dr. Milena Sina Wütschert (Fachstelle Betrieblicher Gesundheitsschutz, Kanton Zürich). Balmer erlebt im Parlament, dass Gesundheit zunehmend parteiübergreifend als politisches Thema verstanden wird. Es findet langsam ein Umdenken statt. Prävention müsse aber auch nachweislich etwas nützen, um politische Unterstützung zu erhalten. Wütschert berichtete von mehr psychischen Erkrankungen in den Betrieben und darüber, wie die Fachstelle Unternehmen unterstützt. Schiergens zeigte mit einem Pilotprojekt von Swiss Re, dass sich Prävention auch wirtschaftlich lohnen kann: Den Präventionskosten im tiefen fünfstelligen Bereich stand ein vermiedener Schaden im tiefen sechsstelligen Bereich gegenüber. Einig war man sich: Gesundheit muss gesamtheitlich gedacht werden. Ein wichtiges Instrument, um aus dem Silodenken herauszukommen, sehen die Podiumsteilnehmer in der Digitalisierung des Gesundheitswesens.
Nach dem Schlusswort von Raphaël Tschanz blieb beim Apéro Zeit für Austausch und Networking. Die Zürcher Handelskammer wird das Thema Gesundheit als Standortfaktor weiter verfolgen.