Fünf Fragen an Milan Prenosil, Verwaltungsratspräsident der Confiserie Sprüngli

Sprüngli verbindet eine fast 200-jährige Tradition mit einer laufenden Weiterentwicklung des Unternehmens. Wie gelingt es, die Marke zu erneuern, ohne ihren Charakter zu verlieren?

Tradition und Innovationskraft sind unsere Stärken. Innovation bedeutet für uns, Bewährtes zeitgemäss weiterzuentwickeln und bei Bedarf zu ersetzen oder zu streichen. Wir investieren in neue Spezialitäten, digitale Vertriebskanäle und nachhaltige Produktion, ohne bei Qualität, Handwerkskunst und Service Kompromisse einzugehen.

Die Zürcher Innenstadt ist für Sprüngli Verkaufsort, Produktionsstandort und Teil der Markenidentität. Welche Rahmenbedingungen braucht ein attraktives und wirtschaftlich lebendiges Stadtzentrum?

Ein lebendiges Zentrum braucht Einkauf, Gastronomie, Kultur, Wohnen und Arbeitsplätze sowie gute Erreichbarkeit, Sicherheit und Sauberkeit. Hohe Mieten, Onlinehandel und die Einschränkung des Individualverkehrs schwächen den Detailhandel. Hinzu kommen zunehmende Bürokratie sowie die Ablehnung zusätzlicher Sonntagsverkäufe. Die vielen Demonstrationen und das wieder aufflackernde Drogenproblem belasten die Standortattraktivität zusätzlich.

Veränderte Konsumgewohnheiten, neue Ernährungsformen und der Onlinehandel prägen die Branche. Welche Entwicklung wird das Geschäft von Sprüngli am stärksten verändern?

Die grösste Herausforderung ist die Verbindung von stationärem Handel, Digitalisierung und KI. Bereits 1998 haben wir E-Commerce eingeführt. Nachhaltigkeit und individuelle Ernährungsbedürfnisse gewinnen an Bedeutung; unsere Grand-Cru-Tafelschokoladen sind allesamt vegan, und auch unser breites Traiteursortiment umfasst zahlreiche vegane und vegetarische Produkte. Gleichzeitig beschäftigen uns Fachkräftemangel, steigende Rohstoffpreise und die sinkende Kaufkraft.

Handwerkliche Qualität ist auf gut ausgebildete Mitarbeitende angewiesen. Wie gewinnt und hält Sprüngli Fachkräfte?

Wir investieren konsequent in Ausbildung und Weiterbildung und bilden bis zu 35 Lernende in fünf Berufen aus. Attraktive Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten, eine wertschätzende Kultur und faire Löhne sind entscheidend.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Hebel, damit Zürich auch künftig ein attraktiver Standort für traditionsreiche Familienunternehmen bleibt?

Familienunternehmen denken in Generationen. Sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen: wettbewerbsfähige Steuern, moderne Infrastruktur, qualifizierte Fachkräfte, innovationsfreundliche Politik und weniger Bürokratie. Ebenso wichtig sind Wertschätzung für das Unternehmertum sowie eine enge Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft.

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