Ausbau von KI führt zu höherer Klimabelastung als angenommen

Wallisellen ZH - Eine Studie von Allianz Trade zeigt, dass die Klimabelastung durch die digitale Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) bisher unterschätzt wurde. KI kann aber auch zur Senkung der Emissionen beitragen. Dafür bräuchte es eine Transformation der Energiesysteme.

(CONNECT) Der weltweite Ausbau von Rechenzentren für die Entwicklung von KI und die damit verbundenen Klimafolgen schreiten schneller voran als bisher angenommen. Wie eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade zeigt, liegt der Anstieg der Emissionen 57 Prozent über früheren Schätzungen. 

Laut einer Mitteilung zur Studie machen KI-Anwendungen heute 15 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs aus, bis 2030 könne sich ihr Anteil auf rund 40 Prozent erhöhen. Zudem seien Rechenzentren für einen höheren Wasserverbrauch verantwortlich. Die Studie rechnet mit einem Anstieg von 814 Milliarden Litern (2025) pro Jahr weltweit auf bis zu 1,8 Billionen Liter im Jahr 2030. Die Studie bezieht auch Kosten für Klimaschäden ein, die bis 2030 von heute 68 Milliarden Dollar jährlich bis zu 154 Milliarden Dollar betragen könnten.

Rechenzentren seien „von einer Randgrösse zu einem strukturellen Treiber der Stromnachfrage in vielen Regionen“ geworden, wird Patrick Hoffmann, Senior Klimaökonom bei der Allianz, zitiert. Die Höhe der Klimabelastung hänge vom Standort ab. Identische Rechenleistungen könnten nach Worten Hoffmanns je nach Strommix ein Vielfaches an Emissionen verursachen. 

Während mit 70 Prozent die meisten Emissionen durch KI-Rechenzentren in den USA und China erzeugt werden, steht die Schweiz aufgrund ihres Strommixes gut da. „Dank eines Wasserkraftanteils von 52 % und 30 % Atomstrom schneidet die Schweiz im Emissionsvergleich sehr gut ab, weist aufgrund des hohen Kühlungsbedarfs der Nuklearproduktion allerdings einen höheren Wasserfussabdruck auf", sagt Hoffmann. So werden laut Hoffmann in Ländern wie Indien, Indonesie und Malaysia 600 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom verursacht, in der Schweiz sind es lediglich 40 Gramm.

Durch eine Transformation der Energiesysteme habe KI aber das Potenzial, „netto emissionsmindernd zu wirken – vorausgesetzt, ihre Effizienzgewinne skalieren schneller als der Ausbau der Infrastruktur“, so Hoffmann. „Europa hat hier klare Vorteile, aber ohne konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien droht dieser Vorsprung verloren zu gehen.“ ce/heg

Zurück zur Übersicht