Neues Konjunkturboard bündelt zentrale Wirtschaftsindikatoren für den Kanton Zürich

Mit dem neu lancierten Konjunkturboard Zürich stellen das Amt für Wirtschaft, die Zürcher Kantonalbank und die Zürcher Handelskammer die wichtigsten Konjunkturindikatoren für den Kanton Zürich gebündelt, verständlich und regelmässig aktualisiert zur Verfügung. Die aktuellen Zahlen zeigen: Die Zürcher Gesamtwirtschaft hat sich im letzten halben Jahr verhalten, aber robust entwickelt. Die Geschäftslage zeigt seit Jahresbeginn wieder eine Aufwärtsbewegung.

Unternehmen brauchen Orientierung, und zwar zeitnah, verständlich und in kompakter Form. Derzeit fehlen solche Informationen zur Lage der Wirtschaft und einzelner Branchen im Kanton Zürich. Konjunkturdaten zur Zürcher Wirtschaft sind zwar vorhanden – aber oft verteilt, unterschiedlich aufbereitet und schwer vergleichbar. Das Amt für Wirtschaft, die Zürcher Kantonalbank und die Zürcher Handelskammer lancieren aus diesem Grund das Konjunkturboard Zürich. Es ist ab sofort zugänglich unter konjunkturboard.zuerich.

Das Konjunkturboard beurteilt halbjährlich die konjunkturelle Entwicklung der Zürcher Wirtschaft. Grundlage bilden die regelmässigen Konjunkturumfragen in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich. Es bündelt ausgewählte, bewährte Indikatoren, ordnet sie ein und macht Entwicklungen zeitnah sichtbar. Ziel ist es, ein gemeinsames Lagebild zu schaffen – für Unternehmen, für die Politik und für eine interessierte Öffentlichkeit. 

Die drei Partner verbinden dabei unterschiedliche Stärken: Das Amt für Wirtschaft stellt die Verankerung im öffentlichen Auftrag und den Zugang zu regionalen Daten sicher. Die Zürcher Handelskammer bringt als Stimme der Wirtschaft die Perspektive der Unternehmen und Branchen ein. Die Zürcher Kantonalbank ergänzt das Gremium mit volkswirtschaftlicher Expertise bei der Beurteilung der Schweizer Konjunktur und ihrer internationalen Einbettung. 

Zürcher Konjunktur im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft

Die Daten zur Konjunktur Anfang 2026 zeichnen ein Bild einer verhaltenen, aber robusten Zürcher Gesamtwirtschaft. Die weltweite Wirtschaftsentwicklung wird nach wie vor massgeblich von geopolitischen Risiken und der unsicheren US-Handelspolitik geprägt. Die in den letzten Jahren eher schwächelnde globale Wirtschaft, der auf diverse Länder erhobene «US-Zollhammer» und die darauffolgenden ständig wechselnden Entwicklungen, aber auch geopolitische Spannungen: All dies belastet die Stimmung, erhöht die Planungsunsicherheit und dämpft die Erwartungen vieler Wirtschaftsakteure bis heute. 

Für den Kanton Zürich lässt sich konstatieren, dass dieser im gesamtschweizerischen Vergleich aufgrund seiner Branchen- und Exportstruktur weniger von den US-Zöllen betroffen ist. Gleichwohl zeigt sich auch hier: Die Zürcher Exporte in die USA sind von August bis November um über einen Fünftel eingebrochen gegenüber derselben Vorjahresperiode. Ein grosser Teil dieses Verlustes konnte jedoch durch eine Zunahme der Exporte in andere Länder kompensiert werden, so dass insgesamt «nur» eine Abnahme der Gesamtexporte von 2 % resultierte.

Gesamtwirtschaft: Verhalten, aber robust

Vor diesem Hintergrund präsentiert sich die Zürcher Gesamtwirtschaft verhalten, aber robust. Die Geschäftslage hat sich im letzten Halbjahr auf einem leicht tieferen Niveau stabilisiert und zeigt seit Jahresbeginn wieder eine Aufwärtsbewegung. Im Vergleich zur Schweiz steht Zürich bei der aktuellen Lage unter anderem aufgrund seines breit diversifizierten Branchenmixes tendenziell besser da. Einerseits hat der Exportsektor für den Kanton Zürich im Allgemeinen weniger Gewicht als für die Gesamtschweiz. Andererseits gestaltet sich die Struktur der Absatzmärkte derzeit vorteilhaft: So gingen in den letzten Jahren nur 13 % der Zürcher Warenexporte in die USA (Schweiz: 18 %). Zudem ist der Wertschöpfungsanteil des Industriesektors im Kanton Zürich geringer als in der Gesamtschweiz.

Besonders solide bleibt die Geschäftslage im Baugewerbe als Binnenbranche, wenngleich die derzeitige Zurückhaltung bei unternehmerischen Investitionen die Nachfrage nach industriellen Bauten dämpft. Ebenfalls robust bleibt die Lage bei Finanzdienstleistungen, auch wenn 2025 für Zürcher Banken etwas anspruchsvoller war. Die Geschäftserwartungen liegen trotz einer seit Ende 2025 beginnenden Erholung noch immer tiefer als vor der Coronapandemie. Die Geschäftserwartungen der Gesamtwirtschaft waren im Kanton Zürich und der Schweiz in den vergangenen Monaten beinahe deckungsgleich.

Unter Einbezug verschiedener Prognosen geht das Konjunkturboard für 2026 von einem moderaten BIP-Wachstum von 1–1,5 % im Kanton Zürich aus (sporteventbereinigt). In der zweiten Jahreshälfte dürfte der Kanton aufgrund des anziehenden globalen Wirtschaftswachstums und den nach wie vor konstanten Konsumausgaben wieder etwas dynamischer wachsen. Im Zuge steigender Exporte sollte sich die Auslastung der industriellen Produktionskapazitäten erhöhen, was auch die Investitionstätigkeit stützen wird. 

Arbeitsmarkt verliert weiter an Dynamik

Das verhaltene Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hat am Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. In den letzten zwölf Monaten ist die Arbeitslosigkeit im Kanton Zürich gestiegen, während die Anzahl offener Stellen zurückging. Der konjunkturelle Arbeitskräftemangel hat nachgelassen, auch wenn in einzelnen Profilen ein struktureller Engpass bestehen bleibt – etwa in handwerklichen Berufen. Strukturelle Engpässe dürften sich aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft eher noch akzentuieren. 
Für die kommenden Monate erwarten die Unternehmen in allen Branchen – mit Ausnahme des Grosshandels – ein geringes, aber positives Beschäftigungswachstum: Es dürften eher Stellen geschaffen als abgebaut werden. Das Konjunkturboard Zürich geht deshalb davon aus, dass 2026 mit der Stabilisierung der Konjunktur auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit abflachen dürfte.

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