Die Kantonsrats- und Regierungsratswahlen 2027 sind für den Wirtschaftsstandort Zürich von zentraler Bedeutung. In der kommenden Legislatur müssen wichtige Weichen für die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons gestellt werden. Die ZHK hat deshalb zehn wirtschaftspolitische Kernforderungen formuliert, die im vorliegenden Artikel vorgestellt werden.
1. Die hohen Gewinnsteuern endlich senken
Ein zentraler Baustein einer erfolgreichen Standortpolitik ist ein attraktives Steuerumfeld. Unternehmen investieren dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen und langfristige Planungssicherheit besteht. Der Kanton Zürich weist heute im interkantonalen Vergleich die höchste Gewinnsteuer auf. Das schwächt den Wirtschaftsmotor der Schweiz im Standortwettbewerb.
Die ZHK fordert deshalb eine Senkung des Gewinnsteuersatzes von heute 7 Prozent auf mittelfristig 5 Prozent. Nur so kann die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Zürich langfristig gesichert und ein attraktives Umfeld für bestehende wie auch neue Unternehmen geschaffen werden.
2. Einführung einer «Netto-Null-Bürokratie»
Ebenso wichtig wie die Steuerbelastung ist die regulatorische und bürokratische Belastung. Unternehmen sollen ihre Energie in ihre Geschäftstätigkeit investieren können und nicht in immer neue administrative Anforderungen. Deshalb fordert die ZHK, dass sich die Verwaltung gegenüber den Unternehmen eine «Netto-Null-Bürokratie» zum Ziel setzt.
Damit ist mehr gemeint als der Abbau einzelner Vorschriften. Die Verwaltung soll sich proaktiv damit auseinandersetzen, wo Bürokratie reduziert, Verfahren vereinfacht und Anforderungen abgeschafft werden können. Der Grundsatz muss lauten: Neue Regulierungen dürfen nicht einfach hinzukommen, ohne gleichzeitig bestehende Belastungen zu hinterfragen.
3. Einschränkung des Staatswachstums
Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft braucht einen leistungsfähigen Staat. Leistungsfähig bedeutet aber nicht möglichst gross. Die ZHK fordert deshalb ein Massnahmenpaket, mit dem das Wachstum der Verwaltung begrenzt wird. Die Verwaltung soll nicht schneller wachsen als die Bevölkerung – dies fordert auch die bereits eingereichte kantonale Initiative «Personalbremse bei der kantonalen Verwaltung» der FDP. Gleichzeitig soll sich die Lohnentwicklung am jeweiligen Branchenbenchmark orientieren.
4. Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials forcieren
Der Fachkräftemangel bleibt eine zentrale Herausforderung für die Zürcher Wirtschaft. Gleichzeitig verfügt der Kanton über ein grosses inländisches Arbeitskräftepotenzial, das besser ausgeschöpft werden kann. Die ZHK fordert deshalb ein Massnahmenpaket des Regierungsrats, das bestehende Fehlanreize korrigiert. Dazu gehören insbesondere die steuerliche Belastung von Zweitverdienenden, Steuervorteile für Teilzeitbeschäftigung sowie die steuerlichen Nachteile für Personen, die besonders viel arbeiten. Die Botschaft muss klar sein: Mehr Arbeit soll sich lohnen. Bei der kantonalen Umsetzung der 2032 in Kraft tretenden Individualbesteuerung kann der Kanton die bestehenden Fehlanreize korrigieren. Wer sein Arbeitspensum erhöht, soll dafür nicht überproportional steuerlich bestraft werden. Und wer zusätzlich arbeitet, soll einen entsprechenden finanziellen Mehrwert erzielen können. Eine bessere Ausschöpfung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials ist angesichts der demografischen Entwicklung eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Aufgaben der kommenden Jahre.
5. Regelmässige Überprüfung des Leistungsportfolios der Verwaltung
Auch die Rolle des Staates als Anbieter von Leistungen muss regelmässig überprüft werden. Staatliche Betriebe sollen dort Leistungen erbringen, wo keine privaten Unternehmen entsprechende Angebote bereitstellen. Der Kanton Zürich soll zudem sein Beteiligungsportfolio regelmässig überprüfen und sicherstellen, dass dieser Grundsatz eingehalten wird. Es geht dabei nicht um einen schwachen Staat, sondern um einen Staat, der seine Ressourcen dort einsetzt, wo sie den grössten Nutzen für die Bevölkerung und den Wirtschaftsstandort bringen.
6. Abbau von Gebühren, um Unternehmen zu entlasten
Auch die Gebührenbelastung beeinflusst die Standortqualität. Für Unternehmen ist häufig nicht nur entscheidend, wie hoch eine einzelne Gebühr ist, sondern wie viele Gebühren, Bewilligungen und administrative Prozesse insgesamt anfallen. Die ZHK fordert deshalb eine systematische Überprüfung. Welche Gebühren erhebt der Kanton? Wie werden sie bemessen? Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten? Wie schneiden die Zürcher Gebühren im Vergleich mit anderen Kantonen ab? Nicht mehr gerechtfertigte Gebühren sollen gestrichen werden. Wo sich die zugrunde liegenden Kosten durch effizientere Prozesse senken lassen, sind auch die Gebühren entsprechend zu reduzieren. Der Kanton sollte sich dabei nicht mit der Frage begnügen, ob ein Verfahren rechtlich möglich ist. Er sollte sich fragen, ob es für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen tatsächlich noch notwendig ist.
7. Steuerverwaltung: Positive Grundhaltung und Lösungsorientierung
Neben Gesetzen und Verordnungen entscheidet auch die Haltung der Verwaltung darüber, wie attraktiv ein Wirtschaftsstandort ist. Die ZHK erwartet deshalb von der Steuerverwaltung eine positive Grundhaltung und eine konsequente Lösungsorientierung. Innerhalb des rechtsstaatlichen Rahmens soll die Steuerverwaltung bestehende Ermessensspielräume für praktikable und unternehmensfreundliche Lösungen nutzen. Das ist kein Widerspruch zu einem starken Rechtsstaat. Im Gegenteil: Rechtssicherheit und eine lösungsorientierte Verwaltung gehören zusammen. Unternehmen müssen wissen, woran sie sind – und sie sollen darauf vertrauen können, dass ihnen die Verwaltung bei der Umsetzung des geltenden Rechts als Partnerin begegnet.
8. Digitalisierung nutzen, um Effizienzgewinne zu realisieren
Die Digitalisierung kann kurzfristig zu Mehrausgaben führen. Mittel- und langfristig müssen durch die Digitalisierung jedoch Effizienzgewinne und bessere Prozesse realisiert werden, welche die Unternehmen im Kanton spüren. Bei Digitalisierungsprojekten muss die Verwaltung deshalb von Beginn an messbare Effizienzziele als KPIs definieren und deren Erreichung konsequent überprüfen.
9. Mehr Wohnraum für einen starken Wirtschaftsstandort
Wirtschaft und Wohnraum sind eng miteinander verbunden. Ein attraktiver Wirtschaftsstandort braucht genügend Wohnraum für die Menschen, die hier arbeiten. Die ZHK fordert deshalb die fristgerechte Umsetzung des am 14. Juni 2026 angenommenen Gegenvorschlags zur Wohnungsinitiative. Ziel muss es sein, Verfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen. Mehr Wohnraum entsteht nicht durch zusätzliche Regulierung, sondern dort, wo Bauen möglich und Verfahren effizient sind. Der Kanton kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
10. Firmengründung vereinfachen
Firmengründungen sollen im Kanton Zürich in maximal 24 Stunden digital ermöglicht werden. Der Zugang zum Unternehmertum soll einfach sein und keine komplizierte Hürde darstellen.
Zürich braucht mehr Mut zu Veränderungen
Die wirtschaftspolitischen Ziele für die Legislatur 2027–2031 lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen: Zürich soll den Unternehmen mehr Freiraum geben, statt ihnen neue Hürden in den Weg zu stellen. Ein wettbewerbsfähiges Steuerumfeld, weniger Bürokratie, effiziente Verwaltungsprozesse, ein besser ausgeschöpftes Arbeitskräftepotenzial und ausreichend Wohnraum sind keine isolierten Einzelthemen. Sie gehören zusammen. Sie entscheiden darüber, ob Zürich auch künftig ein Standort ist, an dem Unternehmen investieren, Menschen arbeiten und Innovationen entstehen. Die Zürcher Handelskammer will deshalb einen Kanton, der Chancen ermöglicht und Eigeninitiative belohnt. Sie will einen Staat, der seine Kernaufgaben effizient erfüllt, sich regelmässig hinterfragt und digitale Möglichkeiten konsequent nutzt, sowie eine Verwaltung, die nicht fragt, warum etwas nicht geht, sondern wie es möglich gemacht werden kann. Das Ziel für 2031 ist klar: Zürich soll wirtschaftlich dynamisch, international wettbewerbsfähig und unternehmerisch attraktiv bleiben. Dafür braucht es keine neuen Hürden, sondern mehr Freiraum für diejenigen, die unseren Wohlstand schaffen.

