Wie beurteilen Sie die Auswirkungen des Wohnschutzes in Basel-Stadt seit dessen Einführung?
Der Basler Wohnschutz verfehlt sein Ziel. Er hat Renovationen weitgehend zum Stillstand gebracht und verhindert Aus- und Neubauten, die dringend nötig wären. Gleichzeitig entfernen sich Angebots- und Bestandesmieten immer weiter voneinander, was Umzüge zusätzlich erschwert. Auch energetische Sanierungen bleiben wegen der Regulierung aus. Damit geraten die ambitionierten Klimaziele unter Druck.
Welche Entwicklungen beobachten Sie seit Einführung des Wohnschutzes bei Baugesuchen, Sanierungen und Investitionen in den bestehenden Wohnungsbestand?
Viele Eigentümer verschieben Investitionen oder verzichten ganz darauf, weil die Bewilligungsverfahren unsicher, langwierig und wirtschaftlich kaum kalkulierbar sind. Besonders energetische Sanierungen und qualitative Verbesserungen bleiben aus, obwohl sie politisch erwünscht wären. Das Präsidialdepartement reagierte deshalb bereits im Sommer 2025 und passte die Wohnschutzverordnung an. Die neuen Regeln gelten seit November 2025 und sollen energetische Sanierungen fördern. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber nicht aus. Es braucht zusätzliche Anpassungen auf Gesetzesebene. Die Wirkung der Änderungen muss nun genau beobachtet werden.
Welche Folgen haben diese Entwicklungen für das Wohnungsangebot, die Qualität des Wohnungsbestands und den Wohnungsmarkt insgesamt?
Ein Blick in den Kanton Genf zeigt, wohin eine dauerhafte Überregulierung führt. Dort wurden über 80 Prozent der mehr als 40 Jahre alten Wohnungen noch nie renoviert. Wenn weniger gebaut, saniert und investiert wird, verschärft sich die Wohnungsknappheit langfristig. Der Wohnungsbestand altert, energetische Standards werden verpasst und die Angebotsvielfalt nimmt ab. Der Wohnungsmarkt verliert an Dynamik. Am Ende finden ausgerechnet jene Haushalte, die geschützt werden sollen, immer weniger passende Wohnungen.
Wie schätzen Sie die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt in Basel-Stadt ein – und welche Perspektiven sehen Sie, solange der Wohnschutz in dieser Form gilt?
Der Wohnungsmarkt in Basel-Stadt ist intakt – aber angespannt. Die Leerstände sind sehr tief, gleichzeitig wächst die Nachfrage weiter, auch wegen der Zuwanderung. Solange der Wohnschutz in seiner heutigen Form gilt, ist kaum mit einer Entspannung zu rechnen. Ohne Investitionsanreize und mit hohen regulatorischen Hürden bleibt das Angebot strukturell zu knapp. Die Perspektive ist deshalb eine weitere Verfestigung des Mangels – nicht dessen Lösung.
Was ist aus Ihrer Erfahrung in Basel-Stadt die wichtigste Lehre für den Kanton Zürich, der nun über eine ähnliche Initiative abstimmt?
Die zentrale Lehre aus Basel lautet: Wohnschutz ersetzt keine aktive Wohnraumpolitik. Wer das Angebot reguliert, ohne Neubau und Erneuerung zu erleichtern, verschärft die Knappheit. Zürich sollte diese Erfahrungen ernst nehmen und nicht denselben Weg einschlagen. Nachhaltig bezahlbarer Wohnraum entsteht durch mehr Angebot, schnellere Verfahren und verlässliche Rahmenbedingungen – nicht durch zusätzliche Verbote und Unsicherheit. Gleichzeitig ist es enorm wichtig, die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen. Die Immobilienwirtschaft muss ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, was sie heute schon in den allermeisten Fällen tut. Zudem braucht es gezielte Anreize, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

