5 Fragen an Dr. Davide Maccabruni, CEO Uster Technologies AG

Uster Technologies ist Weltmarktführer in der Qualitätsmessung für die Textilindustrie. Was macht ein Schweizer Industrieunternehmen in einem global stark umkämpften Markt langfristig erfolgreich?

Langfristiger Erfolg basiert auf konsequenter Innovation, technologischer Führerschaft und der Fähigkeit, sich laufend anzupassen. Uster hat sich über 150 Jahre immer wieder weiterentwickelt – ähnlich einer darwinistischen Evolution – und ist so entlang der Veränderungen der Industrie relevant geblieben. Entscheidend ist zudem, nicht nur Produkte zu liefern, sondern echten Mehrwert für den Kunden zu schaffen.

Die Textilproduktion findet heute mehrheitlich in Asien statt, während Entwicklung und Hightechkompetenz in der Schweiz verankert sind. Wie gelingt es, Wertschöpfung und Innovationskraft am Standort Schweiz zu halten?

Die Schweiz bleibt attraktiv durch ihre starke Forschungslandschaft, hohe Ausbildungsqualität und stabile Rahmenbedingungen. Für Uster bedeutet das, die Kernkompetenzen in Entwicklung, Datenanalyse und Systemintegration hier zu bündeln, während wir gleichzeitig eng mit Kunden weltweit zusammenarbeiten. Innovation entsteht im Zusammenspiel von globaler Nähe zum Markt und lokaler Exzellenz.

Digitalisierung, Datenanalyse und Automatisierung verändern auch die Textilbranche. Welche Rolle spielen Sensorik, Echtzeitdaten und KI in Ihren Produkten – und wie verändern sie die Wettbewerbsdynamik?

Sie sind zentral. Uster entwickelt sich vom Anbieter einzelner Messgeräte hin zu einem Lösungsanbieter, der Qualitätsdaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbindet. Sensorik, Echtzeitdaten und KI ermöglichen präzisere Entscheidungen, weniger Ausschuss und höhere Effizienz. Wettbewerb verschiebt sich damit von reiner Maschinenleistung hin zu datengetriebener Prozessoptimierung.

Industrieunternehmen stehen unter Druck durch Energiepreise, Regulierung und geopolitische Spannungen. Wo sehen Sie aktuell die grössten Standortnachteile – und wo klare Stärken der Schweiz?

Zu den Nachteilen zählen hohe Kosten und wachsende regulatorische Anforderungen. Die zunehmende Isolation und Abschottung der Schweiz im internationalen Umfeld ist eine echte Gefahr. Gleichzeitig bietet die Schweiz klare Vorteile: politische Stabilität, Rechtssicherheit, Innovationskraft und Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften. Diese Faktoren sind entscheidend, um auch in einem anspruchsvollen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Fachkräftemangel betrifft besonders technologieintensive Unternehmen. Was braucht es aus Ihrer Sicht von Politik und Bildungssystem, damit Firmen wie Uster Technologies weiterhin die nötigen Ingenieurinnen und Ingenieure finden?

Es braucht eine konsequente Förderung von MINT-Ausbildungen, praxisnahe Studiengänge und eine enge Zusammenarbeit zwischen Indus trie und Hochschulen. Gleichzeitig ist internatio nale Offenheit entscheidend, um Talente anzuzie hen. Nur so kann die Schweiz ihre technologische Spitzenposition langfristig sichern.

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