Unternehmen wie Credit Suisse, die bereits über mehr als 160 Jahre Erfahrung im Banking und der Vermögensverwaltung haben, seien nicht so einfach zu ersetzen, wie manchmal dargestellt werde, sagt Urs Rohner in einem Interview mit der Liechtensteiner Wochenzeitung „Wirtschaft Regional“. Zum einen werde oft unterschätzt, wieviel Kompetenz benötigt wird, um Kunden umfassend und regelkonform zu betreuen. Zum anderen sei zu beobachten, dass Vertrauen und Schutz von Kundendaten zu den Grundwerten im Banking gehören. „Dies ist bei Internetunternehmen, deren Geschäftsmodelle letztlich auf der Vermarktung und den Verkauf der Kundendaten aufgebaut sind, nicht im selben Umfang der Fall“, so der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.
Die Auswirkungen der Digitalisierung im Finanzbereich seien dennoch nicht zu unterschätzen. Die grössten Veränderungen werden laut Rohner allerdings von den Institutionen selbst getrieben. „Auch findet keine echte Disruption statt, die etablierte Institute ersetzen oder marginalisieren würde“, erklärt er. Vielmehr würden Fintech-Unternehmen die Dienstleistungsqualität der Banken ergänzen und verbessern.
Insgesamt sieht Rohner gute Chancen für den Finanzplatz Schweiz. Es sei entscheidend, dass sich der Finanzplatz „als führendes Zentrum für die weltweite Verwaltung privater Vermögen und für Asset Management“ behaupte. Dies gelte insbesondere für Europa, wo der Wohlstand den Prognosen der Bank zufolge zunehmen wird.
Chancen für weiteres Wachstum sieht Rohner auch bei nachhaltigen Anlagen. In diesem Bereich sei die Schweiz bereits gut aufgestellt. Nun gelte es, den Anteil nachhaltiger Anlagen an den verwalteten Vermögen noch weiter zu erhöhen. Ausserdem sollte der Anteil der institutionellen Anleger ausgebaut werden. ssp

