Die Entwicklung zur digitalen Welt hat zur Folge, dass Produkte immer stärker auf einzelne Kunden zugeschnitten sind, sagt ABB-Präsident Peter Voser in einem Interview mit der „NZZ am Sonntag“. Gleichzeitig kann dank Robotern die Produktivität bei der Produktion gesteigert werden. Von dieser Entwicklung dürfte beispielsweise Europa inklusive der Schweiz profitieren. Der jahrzehntelange Trend der Verlagerung dürfte sich damit umkehren. Voser geht davon aus, dass die Fabrikation künftig wieder näher an die Absatzmärkte rücken wird.
In einer Fabrik in Mannheim konnte ABB die Produktivität bereits um 30 Prozent steigern, so Voser. Dies erlaube es dem Unternehmen, kleine Serien von wenigen hundert Stück vor Ort zu produzieren. Möglich sei dies dank Robotern, welche von qualifizierten Arbeitskräften programmiert werden.
Insgesamt zeigt sich Voser überzeugt, dass Roboter nicht nur die Produktivität erhöhen, sondern sich auch auf die Beschäftigung positiv auswirken werden. Länder, die besonders viele Roboter einsetzen, würden sehr tiefe Arbeitslosenquoten aufweisen. Allerdings funktioniere dies nur, wenn das Bildungssystem angepasst werde. Voser fordert unter anderem auch Unternehmen dazu auf, mehr zu tun. Aufgrund der technischen Entwicklung müssten Menschen auch mit 35, 40 und sogar mit 50 neu geschult werden.
Voser äusserte sich auch zur geplanten Verlagerung von Industriearbeitsplätzen von Genf nach Polen. ABB habe in der Fabrikation in gewissen Bereich zu hohe Kosten, um konkurrenzfähig zu sein, erklärt er. Es dürfte in der Fabrikation deswegen auch weitere Verlagerungen geben. Der Bereich Forschung und Entwicklung bleibe allerdings in der Schweiz. ssp

