Der Klimawandel eröffnet Chancen für Zürcher Unternehmen

Die Schweizer Wirtschaft wird von den Auswirkungen des Klimawandels aufgrund ihrer starken globalen Vernet-zung massgeblich betroffen sein. Doch die Anpassung an den Klimawandel eröffnen auch Chancen, wenn die wirt-schaftspolitischen Rahmen-bedingungen so gestaltet sind, dass sie Raum für Inno-vation lassen.

Das Thema Klimawandel beschäftigt die Schweiz nicht erst seit dem letzt-jährigen Hitzesommer. So hat sich die Schweiz beispielsweise mit der Unter-zeichnung des Pariser Klimaabkommens zum Klimaschutz bekannt und sich zum Reduktionsziel von minus 50 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 verpflichtet. Aber auch die Wirtschaft und deren Akteure anerkennen den Klima- und Umweltschutz als wichtige Anliegen. Sie engagieren sich seit langem auf unterschiedlichste Weise für die Reduktion des CO2-Ausstosses. Wie stark der CO2-Ausstoss reduziert werden konnte, unter anderem aufgrund Innovationen und freiwilligen Massnahmen, zeigt ein Blick zurück. Zwischen 1990 und 2017 hat der Treibhausgasausstoss in der Schweiz um 12 Prozent abgenommen.

Die Zürcher Handelskammer verleiht der Thematik regelmässig die nötige Aufmerksamkeit, so auch am 1. April mit dem eigens organisierten Lunch Talk zum Thema „Klimawandel – Chancen und Herausforderungen für Unternehmen“. Madeleine Guyer von INFRAS wies am Lunch Talk darauf hin, wie betroffen die Schweiz und gerade auch der Wirtschaftsraum Zürich aufgrund der starken globalen Vernetzung vom Klimawandel in anderen Ländern sind. Demnach könnten kli-mabedingte Ereignisse internationale Lieferketten beeinflussen. Als Beispiel nannte sie die thailändischen Fabri-ken, die nach heftigen Regenfällen 2011 unter Wasser standen. Dies wirkte sich mit Lieferengpässen weltweit auf Autobauer und Computer-hersteller aus. Dass das globale Phä-nomen auch Folgen für die gesamte Schweizer Wirtschaft hat, ist klar. Von welchen Folgen die Schweizer Unter-nehmen aber konkret betroffen sein könnten, soll eine Studie von INFRAS innerhalb der nächsten zwei Jahre aufzeigen. Unmittelbar ersichtlich waren die Auswirkungen beispielswei-se in der letztjährigen Dürreperiode: Die niedrigen Wasserstände führten dazu, dass der Rhein als Transportweg unterbrochen wurde, was die Versor-gung der Schweiz und die Ausfuhr von Schweizer Produkten erschwerte. Der Klimawandel könne aber auch Chan-cen für Anbieter von Gütern oder Dienstleistungen bieten, die für die Anpassung an den Klimawandel ge-braucht würden.

Solche Chancen hat Climatex erkannt, ein Anbieter von nachhaltigen Textili-en, der aus der Wädenswiler Traditi-onsfirma Gessner hervorgegangen ist. Climatex setzt auf Kreislaufwirtschaft und gehört zu den ersten Anwendern von „Cradle to Cradle“. Dieses Kon-zept wurde von Michael Braungart und William McDonough entwickelt und erlaubt die Nutzung der Materialien in einem steten Kreislauf oder ihre schadlose Rückführung in die Natur. „Eine solche Kreislaufwirtschaft ist ein wesentlicher Beitrag zur Entschleuni-gung des Klimawandels“, sagte Cli-matex-CTO Fredy Baumeler. Climatex stellt Textilien her, deren Fasern wie-derverwendet werden können. Möbel-hersteller setzten sie bereits erfolg-reich ein, erste Autobauer seien ge-folgt. Auch die Bekleidungsindustrie könne eines Tages zum ebenso ökolo-gischen wie nutzerfreundlichen Material greifen.

Climatex ist nicht das einzige Unter-nehmen, das sich mit dem Klimawan-del beschäftigt. Für viele Unterneh-men stehen Massnahmen zur Reduk-tion von Emissionen weit oben auf der Prioritätenliste. Jürgen Schulz hat 2017 die „Klimaplattform der Wirt-schaft Zürich“ ins Leben gerufen. Die Klimaplattform will unter interessier-ten Unternehmen den branchenüber-greifenden Austausch zu Geschäfts-modellen und Projekten zur Ressour-cen- und Energieeffizienz sowie zur Dekarbonisierung fördern. Zu den Kooperationspartnern der Klimaplatt-form gehört die Zürcher Handelskammer, die auch in der Umwelt- und Klimapolitik auf liberale und markt-wirtschaftliche Instrumente setzt. Zu stark eingreifende Massnahmen würden neue zukunftsfähige Lösungen, die gerade in diesem Bereich stark gefragt wären, verunmöglichen, be-tonte die ZHK-Direktorin und FDP-Nationalrätin Regine Sauter am Lunch Talk. Subventionen und staatliche Industriepolitik dagegen schüfen falsche Anreize, da es im Urinteresse der Wirtschaft läge, Prozesse effizienter zu gestalten, um letztlich auch Energie und Kosten zu sparen.


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