Kein Englisch mehr auf der Primarschulstufe. Das wäre die Folge bei einer Annahme der Initiative «Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule». Gegen dieses Vorhaben sprechen vielerlei Gründe, die auch für die Zürcher Wirtschaft wesentlich sind.

Die Initiative will durch Anpassung des Volksschulgesetzes und nötigenfalls durch eine Änderung oder Kündigung des HarmoS-Konkordats erreichen, dass die zweite Fremdsprache erst auf der Sekundarstufe eingeführt wird. Gleichzeitig soll der Regierungsrat beschliessen, welches die erste Fremdsprache sein soll. Gemäss dessen Ankündigung wäre dies aus Gründen des nationalen Zusammenhalts Französisch, und der Englischunterricht müsste auf die Sekundarschule verschoben werden. Die Initianten argumentieren, dass viele Schüler mit dem Erlernen mehrerer Fremdsprachen im Primarschulalter überfordert seien. Durch den Wegfall einer Fremdsprache in der Primarschule solle mehr Raum für andere Fächer zur Verfügung stehen. Regierungsrat und Kantonsrat empfehlen die Initiative zur Ablehnung.

Aus Sicht der ZHK ist eine solide Volksschulausbildung sehr wichtig. Sie ist Grundlage für die Berufsausbildung und die höhere Bildung, welche den Nährboden für die hiesige Wirtschaft bilden. Eine Nivellierung gegen unten in der Grundschulbildung, so wie es diese Vorlage zur Folge hätte, wäre ein Qualitätsverlust für den Standort Zürich und würde – entgegen dem Titel der Initiative – nicht zu mehr, sondern zu weniger Qualität führen. Besonders gravierend wäre die Verschiebung des Englischunterrichts auf die Sekundarstufe. Die grosse Verbreitung von Englisch in der Geschäftswelt spricht für ein frühzeitiges Erlernen der Sprache. Zudem hätte die Verschiebung einen gedrängteren Stundenplan auf der Sekundarstufe zur Folge, was den Lernerfolg der Schüler kaum verbessern und zudem die Kapazitäten für andere, im Hinblick auf die Berufsbildung sehr wichtige, Fächer (MINT-Fächer) schmälern würde. Die meisten Primarschüler bringen den Lernwillen und die Leistungsbereitschaft für zwei Fremdsprachen durchaus auf. Statt den Sprachunterricht zu kürzen muss er verbessert werden. Das heutige Sprachenkonzept wurde in mehreren Abstimmungen vom Stimmvolk gutgeheissen und entspricht der gesamtschweizerischen Sprachenstrategie sowie dem HarmoS-Konkordat. Es hat sich in Zürich bewährt.

Ein Abbau von Bildungsleistungen würde Zürich im nationalen und internationalen Vergleich zurückfallen lassen und wäre eine Nivellierung gegen unten. Der Vorstand der Zürcher Handelskammer empfiehlt, die Vorlage abzulehnen.

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27.03.2017 | 2962 Aufrufe